Geschmack nach Tango

Ein besonderes Menü für 180 Gäste – Berliner Ensemble verzauberte Zuhörer im Rossini Saal

Bad Kissingen – „Sabor a Tango“ – übersetzt mit „Geschmack nach Tango” ist der Name des
zehnköpfigen Berliner Ensembles, das am Samstag den 180 Gästen im Rossini Saal ein besonderes
Menü kredenzte. Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise waren so vorzüglich, dass der unerwartete
dritte Nachschlag die bereits im Gehen begriffenen Gäste wieder zurück auf ihre Plätze holte. „Sabor a
Tango“, das neue deutsche Tangoorchester aus Deutschlands Hauptstadt, präsentiert in der klassischen
Besetzung mit vier Bandoneons, vier Geigen, Kontrabass und Klavier die Klassiker aus der „Goldenen
Epoche“ des Tango.

Gegründet wurde das Ensemble im Jahre 2003 von Robert Schmidt (Klavier) und Peter Reil, dem
führenden Bandoneonista Deutschlands. Die zehn Ausnahmemusiker tragen die unterschiedliche
Stilistik der bekannten Orchester aus den letzten acht Jahrzehnten in die heutigen Konzertsäle und auf
das Tangoparkett.

Das Instrument

Im Mittelpunkt – optisch wie akustisch – steht jeweils das Bandoneon, eine Weiterentwickung der
deutschen Concertina. Dieses Instrument wird auf den Oberschenkeln des Musikanten gehalten,
worüber zu Beginn des Spiels ein großes weiches Tuch gelegt wird. Die Beine sind dabei nicht nur
Ablagestelle, sondern fungieren auch als Rhythmusgeber: Durch ein dynamisches Auf und Ab über die
Zehenspitzen unterstützen die Fersen den Vierviertel-Takt des Tangos.

Kein leichtes Spiel

Je nach Auf- oder Zuspiel benutzen die Bandoneonista einen oder beide Oberschenkel, was einen
ständigen Wechsel der Sitz- und Spielposition erfordert. Diese Dynamik – bis hin zur Gewalttätigkeit
– kennzeichnet auch das Spiel, so Peter Reil als Erläuterung für einen Defekt an einem Bandoneon.

Doch dies ist genau das Lebensgefühl, das der Tango vermittelt und das sich zwischen ausgelassener
Fröhlichkeit und tiefer Melancholie bewegt.

Ein Lebensgefühl

„Sabor a Tango“ vermittelte dieses Lebensgefühl mit bekannten Stücken, Bearbeitungen und eigenen
Kompositionen. Dabei glich kein Stück dem anderen, sondern ergab einen begeisternden Mix aus
Tangos, Valses (dem Walzer ähnliche Stücke) und Milongas (alter argentinischer Folklore-Tanz
im schnelleren Zweiviertel-Takt und eigentlicher Vorläufer des Tangos). Im Wechsel erfreute das
spielfreudige Ensemble mit schwierig vollen Arrangements bekannter Orchester wie „Orlando Goñi“
von Alfredo Gobi oder „Negracha“ von Raul Garello. Die ersten Bravo-Rufe ertönten im ersten Teil
für „Canaro en Paris“ und „Loca“ von Juan D’Arienzo.

Stetige Steigerung

Nahtlos knüpfte das Ensemble da an, wo es vor der Pause aufgehört hat. Mit dem ersten Ton der teils
angekündigten, teils mit ablaufendem Applaus einsetzenden Stücke versank das Publikum in Tango-
Trance. Das übergeschlagene Bein wippte im Takt, die Augen waren auf die Akteure gerichtet. Von Stück
zu Stück steigerte sich „Sabor a Tango“ und die Gäste dankten es mit ungebrochener Begeisterung,
Applaus und Bravo Rufen.

Fulminantes Finale

Dies galt nicht nur für Astor Piazollas Stück „Verano Porteño“. Sondern auch für Eigenkompositionen
wie „Delirio de la Milonga“ und den fulminanten Schlusspunkt „La Cumparsita“ von G. M. Rodriguez.
Schwungvoll, vergnüglich, unterhaltsam, sinnlich und melancholisch sind die Attribute für die Tango-
Atmosphäre im Rossini Saal.

Den Akteuren von „Sabor a Tango“ gehört ein gewaltiges Lob für perfektes und akzentuiertes Spiel
sowie der Dank für einen phantastischen Konzertabend.

Klaus Werner – Bayrisches Staatsbad Bad Kissingen GMBH